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Wie Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland - so mag sich mein Mann vorgekommen sein, als er eines Tages zu seinem Geburtstag einen Birnbaum geschenkt bekam. Es war nicht viel dran an dem Bäumchen, kaum Wurzeln, keine Blätter, es sah ziemlich mickerig aus. Aber - es war eine GRÄFIN VON PARIS - die einzige Birnbaumsorte, die die Baumschule vorrätig hatte, und die einzige, die überhaupt für uns infrage kam. Und das hatte eine spezielle Bewandtnis.
Schon der Vater meines Mannes hatte in seinem riesengroßen Garten, der noch in Preußischen Morgen gemessen wurde, viele, viele Obstbäume, Äpfel, Pfirsiche und auch Birnen. Das Obst wurde während des 2. Weltkrieges verkauft, den Erlös konnte die große Familie gut gebrauchen, um damit die auf beim Kauf des Grundstücks aufgenommene Hypothek zu tilgen. Allerdings waren die Früchte eines Baumes, nämlich des Birnbaumes GRÄFIN VON PARIS, ganz allein für den Vater meines Mannes reserviert. Sie wurden gezählt, besonders gelagert (manche wurden in Leinensäckchen aufbewahrt), und der Herr des Hauses konnte sich bis nach Weihnachten an den köstlichen Früchten erlaben.
Dieses Ritual seines Vaters hat meinen Mann derart beeindruckt, dass er ein ebensolches Merkzeichen hinterlassen wollte,das unsere Kinder immer an ihn und seine liebenswerten "Macken" erinnern sollte. Nur - unser Bäumchen musste ja erst groß werden.
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Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland hätte es gewusst, warum unser Bäumchen trotz bester Standortbedingungen und liebevoller Pflege nicht so recht gedieh, obwohl das Bäumchen im zeitigen Frühjahr Blüten über Blüten hervorgebracht hatte, dass es eine Pracht war, es anzusehen. Auch in den folgenden Jahren wuchs das Bäumchen recht langsam. Trotzdem hatte ich einen Rückschnitt vorgenommen, weil ich die GRÄFIN als Spalierobst ziehen wollte.
Als die erste Ernte anstand, war nur eine einzige ausgewachsene Birne zu sehen Die wenigen Fruchtansätze waren wohl abgefallen, von Wespen angestochen und von Ameisen aufgefressen worden. Mein Mann verteilte großzügig die einzige Birne der GRÄFIN an die Kinder und mich. Sie schmeckte köstlich. Allein durch diese Geste hat er in unserer Familie ein unvergessliches Merkzeichen gesetzt.
An Spalierobst wagte ich gar nicht mehr zu denken, als im Garten ein Anbau an unser Haus errichtet wurde. Ein Bagger hebelte die GRÄFIN aus der Erde und pflanzte sie mitten in unseren Rasen ein; gute Standortbedingungen ade!
In den folgenden Jahren setzte das Bäumchen Moos an, seine Blätter wurden von einer Art Rost und von einer Art Galläpfel befallen, wurden braun und fielen ab, Früchte brachte es schon lange keine mehr hervor. Aber in jedem Frühjahr erfreute es uns mit einer Fülle von Blüten, weiß wie Schnee, wie ein Hochzeitskleid.
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Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland hätte es gewusst! Und Frank Koplin aus Berlin hatte es notiert, dass alle Birnensorten auf eine Fremdbefruchtung angewiesen sind, dass also andere Birnbäume in der Nähe wachsen müssen. In langen Untersuchungsreihen haben die Wissenschaftler nachgewiesen, welche Birnensorte für die Bestäubung einer bestimmten anderen Sorte infrage kommt. Unsere GRÄFIN VON PARIS gibt sich mit der Befruchtung durch GELLERTS BUTTERBIRNE zufrieden, es würde schon ein geeigneter Birnbaum im Umkreis von ca. 500 m zur Befruchtung unseres Bäumchens genügen. Eine meiner Bekannten traute den natürlichen Möglichkeiten der Befruchtung ihres Birnbaumes nicht und ging selbst mit einem Pinsel von Baum zu Baum, von Blüte zu Blüte und brachte die Pollen auf.
Wenn man um diese Zusammenhänge weiß, dann findet man auch zu den vorhandenen Baumkrankheiten einen Verursacher. Unser Bäumchen ist der Zwischenwirt für den wirtwechselnden Wacholderrostpilz, der für seine Entwicklung als Hauptwirt Wacholderarten benötigt, den so genannten Birnengitterrost (Wacholderrost). Es kommen viele Wacholderarten als Wirt infrage und man kann nicht als Gegenmaßnahme alle Wacholder oder alle Birnbäume vernichten.
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Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland hätte wahrscheinlich das Verbrennen der Blätter des Zwischenwirts empfohlen. Hätte ich Franks Garten http://www.franks-garten.de früher kennen gelernt, dann hätte ich durch frühzeitiges Spritzen und andere in Franks Artikel über den Birnengitterrost beschriebene Gegenmaßnahmen vorbeugend etwas tun können.
Eines weiß ich ganz sicher: die von Frank Koplin empfohlenen Stärkungsmaßnahmen des Bäumchens, wie Wässern in Trockenzeiten und Bodenverbesserung, haben wir unserer GRÄFIN immer schon angedeihen lassen. Sie hat es immer gut bei uns gehabt. Jetzt - mit den neuesten Erkenntnissen aus Franks Garten - können wir noch bessere Gegenmaßnahmen ergreifen. Vielleicht haben wir ja Glück und das Bäumchen trägt wieder Früchte. Dann bekommt Frank zumindest ein Foto davon.
23.09.2006
Erika Widdershoven, 53757 Sankt Augustin
http://www.erika.wb3.de
http://www.erikawiddershoven.de
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